Brunos Vorträge

Was Bruno über die Ozeane weiß

Bruno ist groß, ruhig und ein bisschen zu früh aufgewacht für jemanden, der schon so lange dabei ist. Er hat im großen Wasser zugehört, mitgesungen und manches gesehen, das ihm Sorgen macht. Hier erzählt er — in kleinen, freundlichen Reden — was er gelernt hat. Über Plastik. Über Lärm. Und darüber, was Wale verstehen, wenn niemand spricht.

Fünf kurze Vorträge · Lesezeit etwa zehn Minuten · Für alle, die das Meer mögen

Vortrag 1

Wenn etwas treibt, das nicht hingehört

Wisst ihr, das Meer ist groß. Sehr groß. Wenn man so groß ist wie ich und schon lange schwimmt, sieht man irgendwann Dinge, die einen verwirren. Tüten zum Beispiel. Sie sehen aus wie Quallen, aber sie sind keine. Quallen leuchten manchmal und haben eine eigene Meinung. Tüten haben das nicht.

Wir Wale verschlucken die Tüten manchmal versehentlich. Die kleineren Tiere fressen ganz kleine Plastikstücke, die so winzig sind, dass man sie kaum sieht. Und dann ist das Plastik plötzlich überall — auch da, wo nur Wasser sein sollte. Niemand möchte Plastik essen. Auch wir nicht.

Wenn ihr eine Tüte am Strand findet, nehmt sie mit. Das Meer ist sehr geduldig, aber es freut sich, wenn ihr es nicht alleine aufräumen müsst.

Vortrag 2

Die laute Welt der leisen Tiere

Unter Wasser klingt alles anders. Geräusche reisen weiter. Wenn ich singe, kann mich ein anderer Wal auch dann noch hören, wenn er einen ganzen Tag weit entfernt ist. So sprechen wir miteinander, finden uns wieder, erzählen einander Lieder, die unsere Mütter schon gesungen haben.

Aber das Meer ist heute oft laut. Schiffe haben Motoren, die brummen. Manche Geräte machen Pings und Brrrs, die uns nicht gefallen. Es ist ein bisschen, als würdet ihr in einem sehr lauten Raum jemandem etwas Wichtiges erzählen wollen — und derjenige hört euch kaum.

Es gibt Menschen, die daran arbeiten, dass Schiffe leiser werden. Das ist eine sehr gute Idee. Leise Schiffe sind höfliche Schiffe.

Wenn ihr beim Baden mal die Ohren unter Wasser haltet — hört einfach hin. Stille ist ein Lied, das nicht jeder hört.

Vortrag 3

Warum große Tiere klein wirken

Hier kommt etwas, das viele nicht wissen: Wale helfen dem Klima. Wir tauchen tief und kommen wieder hoch. Dabei rühren wir das Wasser durch, ungefähr so, wie man eine Suppe umrührt. Das hilft den kleinen Meerespflanzen, dem Plankton. Und das Plankton nimmt etwas auf, das zu viel in der Luft ist — Kohlendioxid. So wird das Meer ein wenig zum Garten.

Wenn es vielen Walen gut geht, geht es dem Meer besser. Und wenn es dem Meer besser geht, geht es allen besser — auch denen, die nie ans Wasser kommen.

Wir Wale machen unsere Arbeit eigentlich ganz leise. Wir wären nur dankbar, wenn wir sie weiter machen dürften.

Vortrag 4

Was Wale verstehen, wenn niemand spricht

Manchmal fragen mich Kinder: „Bruno, verstehst du, was wir sagen?“ Und ich sage: „Vielleicht nicht jedes Wort. Aber wie ihr es sagt, verstehe ich ziemlich gut.“ Tiere achten auf Stimmen. Auf Pausen. Auf den Klang, mit dem ihr etwas erklärt. Wir achten darauf, ob jemand ruhig ist oder aufgeregt, freundlich oder unsicher.

Das ist eigentlich eine schöne Sache. Es bedeutet: Wenn ihr ruhig zu Tieren sprecht, kommt das an. Selbst wenn die Tiere weit weg sind. Sogar, wenn sie nur eine Pfütze sehen, in der sich ein Stück Himmel spiegelt.

Sprecht mit dem Meer, als würde es zuhören. Es macht das wahrscheinlich sowieso.

Vortrag 5

Was bleibt, wenn der Tag vorbei ist

Ich erzähle euch gleich am Ende noch etwas, was ich von einem alten Wal gelernt habe: „Das Meer vergisst nichts. Aber es trägt vieles weiter.“ Das heißt, alles, was wir tun, kommt irgendwann wieder vorbei. Auch die guten Sachen. Wenn ihr heute eine Sache richtig macht — eine kleine, freundliche Sache —, dann ist sie nicht weg. Sie schwimmt einfach in eine andere Richtung weiter.

Ihr müsst nicht das ganze Meer retten. Niemand muss das ganze Meer retten. Ihr müsst nur euer Stück Meer freundlich behandeln. Den Rest erledigen wir gemeinsam. Schritt für Schritt. Welle für Welle.

Und falls ihr mich mal seht: Winkt ruhig. Ich winke nicht zurück, weil ich keine Flossen für so etwas habe. Aber ich freue mich trotzdem.

Drei kleine Sachen, die heute schon helfen

Bruno hat nichts dagegen, wenn ihr nur eine davon macht. Das Meer ist alt und gewohnt, Geduld zu haben. Aber je mehr kleine Sachen sich zusammenfinden, desto größer wird daraus eine richtig gute.

  • Müll mitnehmen Wenn ihr am Strand oder am See seid: ein Stück Plastik aufheben, das nicht euch gehört. Klingt klein. Ist es nicht.
  • Leise sein, wenn es passt Boote, Lautsprecher, Motoren — manchmal geht es auch ohne. Tiere im Wasser danken es leise.
  • Erzählen, was ihr gelernt habt Sagt einem Erwachsenen, einem Freund, einer Lehrerin: „Wisst ihr eigentlich, was Wale machen, wenn sie auftauchen?“ Dann wird das Meer einen Menschen mehr gewinnen.

Bruno ist eine digitale Comicfigur und kein echter Wal. Aber das, was er erzählt, beruht auf dem, was Forscherinnen und Forscher seit vielen Jahren über das Meer herausfinden. Wenn ihr mehr wissen wollt, sind Bücher über Wale ein guter Ort, um weiterzumachen.